Lieferung in 2 Werktagen innerhalb Deutschlands! Lieferung in 2 Werktagen deutschlandweit | Versandkostenfrei ab 100€ | 24/7 Kundensupport
0,00 €
0

Retatrutide (LY3437943) ist der erste Triple-Agonist, der ein großes Phase-3-Programm durchlaufen hat. Zwischen Dezember 2025 und Juli 2026 hat Eli Lilly die Ergebnisse von fünf Phase-3-Studien veröffentlicht. Dieser Überblick fasst zusammen, was die Studien zeigen, welche Nebenwirkungen auftraten und wie der Stand der Zulassung ist – Stand: 21. Oktober 2026, ausschließlich zu Informations- und Forschungszwecken.

Kurz zusammengefasst: In der Phase-3-Studie TRIUMPH-1 verloren Erwachsene mit Adipositas in der höchsten Dosisgruppe nach 80 Wochen im Schnitt 28,3 % ihres Körpergewichts (Placebo: 2,2 %), in einer Verlängerung bis 104 Wochen bei Teilnehmenden mit einem BMI ab 35 sogar 30,3 %. Weitere Phase-3-Studien zeigten Verbesserungen bei Typ-2-Diabetes (HbA1c bis −2,0 Prozentpunkte), Schlafapnoe und Kniearthrose-Schmerzen. Häufigste Nebenwirkungen waren Übelkeit, Durchfall, Verstopfung und Erbrechen. Retatrutide ist weltweit noch nicht zugelassen; Lilly plant den US-Zulassungsantrag für das erste Quartal 2027.

Was ist Retatrutide?

Retatrutide ist ein synthetisches Peptid, das drei Hormonrezeptoren gleichzeitig aktiviert: GLP-1, GIP und Glukagon – daher auch der Spitzname „Triple-G“. Semaglutide wirkt nur am GLP-1-Rezeptor, Tirzepatide an GLP-1 und GIP. Der zusätzliche Glukagon-Anteil soll den Energieverbrauch erhöhen und den Fettabbau in der Leber fördern. Mehr zum Wirkmechanismus: Retatrutide: Wirkung, Mechanismus und Forschung.

Der Weg bis Phase 3: die Phase-2-Daten

Das Phase-3-Programm im Überblick

Lilly untersucht Retatrutide in zwei großen Programmen: TRIUMPH (Adipositas und ihre Folgeerkrankungen, über 5.800 Teilnehmende) und TRANSCEND-T2D (Typ-2-Diabetes, über 2.050 Teilnehmende). Bis Oktober 2026 liegen diese Ergebnisse vor:

Studie Teilnehmende Dauer Wichtigstes Ergebnis (höchste Dosis vs. Placebo) Veröffentlicht
TRIUMPH-4 Adipositas und Kniearthrose 68 Wochen −28,7 % Körpergewicht vs. −2,1 %; deutlich weniger Knieschmerzen Dez. 2025
TRIUMPH-1 2.339 Erwachsene mit Adipositas oder Übergewicht, ohne Diabetes 80 Wochen −28,3 % vs. −2,2 %; 45,3 % verloren mindestens 30 % ihres Gewichts Mai 2026
TRIUMPH-1, Teilstudien Kniearthrose bzw. mittelschwere bis schwere Schlafapnoe 80 Wochen Knieschmerz (WOMAC) bis −73,1 %; Atemaussetzer (AHI) bis −36,1 pro Stunde (−60,6 %) Juni 2026
TRANSCEND-T2D-1 537 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes 40 Wochen HbA1c bis −2,0 Prozentpunkte (Ausgangswert 7,9 %); Gewicht bis −16,8 % Juni 2026 (The Lancet)
TRIUMPH-2 1.152 Erwachsene mit Adipositas und Typ-2-Diabetes 80 Wochen −20,8 % vs. −4,0 %; HbA1c bis −1,6 Prozentpunkte Juli 2026
TRIUMPH-3 1.949 Erwachsene mit schwerer Adipositas und Herz-Kreislauf-Erkrankung 80 Wochen −22,6 % vs. −3,2 % Juli 2026
TRANSCEND-T2D-2 1.298 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes; direkter Vergleich mit Semaglutid 2 mg (offen) 80 Wochen HbA1c −2,2 vs. −1,8 Prozentpunkte; Gewicht bis −20,9 % vs. −9,4 % Okt. 2026 (erste Ergebnisse)

Angaben laut Pressemitteilungen von Eli Lilly (Efficacy-Estimand, also für Teilnehmende, die die Behandlung wie geplant fortgesetzt haben). Die vollständigen Fachpublikationen stehen teilweise noch aus.

Was die Studien über die positiven Effekte zeigen

Körpergewicht

Die Gewichtsabnahme ist der auffälligste Befund. In TRIUMPH-1 erreichten in der höchsten Dosisgruppe 62,5 % der Teilnehmenden eine Abnahme von mindestens 25 %, 45,3 % von mindestens 30 % – ein Bereich, der bislang vor allem mit Adipositas-Operationen in Verbindung gebracht wurde. 65,3 % lagen nach 80 Wochen unter einem BMI von 30, ein Drittel sogar unter 25. Auch die niedrigste untersuchte Dosis führte im Schnitt zu 19 % Gewichtsabnahme. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes fiel die Abnahme geringer aus (TRIUMPH-2: bis 20,8 %), wie es auch von anderen Inkretin-Wirkstoffen bekannt ist.

Blutzucker und Typ-2-Diabetes

In TRANSCEND-T2D-1 sank der HbA1c-Wert um bis zu 2,0 Prozentpunkte. Bis zu 90 % der Teilnehmenden erreichten einen HbA1c unter 7,0 %, bis zu 46 % sogar Werte unter 5,7 % – also im Normalbereich. Das Gewicht sank dabei um bis zu 16,8 % und hatte nach 40 Wochen noch kein Plateau erreicht.

Im direkten Vergleich mit Semaglutid 2 mg (TRANSCEND-T2D-2: 1.298 Teilnehmende, offen, 80 Wochen; erste Ergebnisse vom 28.10.2026) senkte Retatrutide den HbA1c um 2,2 Prozentpunkte (Semaglutid: 1,8) und das Gewicht um bis zu 20,9 % (Semaglutid: 9,4 %). Die vollständigen Daten sind noch nicht veröffentlicht.

Herz-Kreislauf-Risikofaktoren

In TRIUMPH-1 sanken die Triglyzeride um bis zu 41 %, das Nicht-HDL-Cholesterin um bis zu 24,2 %, der systolische Blutdruck um bis zu 12,3 mmHg und der Taillenumfang um bis zu 24,1 cm. In TRIUMPH-3, bei Teilnehmenden mit bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung, ging der Entzündungsmarker hsCRP um 51,2 % zurück.

Schlafapnoe und Kniearthrose

Bei mittelschwerer bis schwerer Schlafapnoe sank die Zahl der Atemaussetzer pro Stunde (Apnoe-Hypopnoe-Index) um bis zu 60,6 % – von im Schnitt 58,6 auf etwa 22,5 Ereignisse. Bei Kniearthrose verringerten sich die Schmerzwerte im WOMAC-Fragebogen um bis zu 73,1 %.

Leber

Bereits die Phase-2-Substudie zeigte eine starke Abnahme des Leberfetts. Eigene Phase-3-Studien zur Fettlebererkrankung (MASLD) laufen noch.

Nebenwirkungen und offene Fragen

Die Art der Nebenwirkungen entsprach der anderer Inkretin-Wirkstoffe. In TRIUMPH-1 waren in der höchsten Dosisgruppe am häufigsten:

Auffällig ist eine Dysästhesie – eine veränderte Hautempfindung wie Kribbeln oder Berührungsempfindlichkeit – bei bis zu 12,5 % gegenüber 0,9 % unter Placebo. Sie war meist leicht bis mittelschwer und ging überwiegend noch während der Behandlung zurück. Harnwegsinfekte traten etwas häufiger auf als unter Placebo. Wegen Nebenwirkungen brachen in TRIUMPH-1 bis zu 11,3 % die Behandlung ab (Placebo: 4,9 %), in TRIUMPH-3 bis zu 13,5 % (Placebo: 4,8 %).

Offen sind vor allem Langzeitdaten. In TRIUMPH-3 traten schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse in beiden Gruppen seltener auf als erwartet; ein Schutzeffekt ließ sich statistisch nicht belegen (Hazard Ratio 0,82; 95-%-Konfidenzintervall 0,55–1,22). Eigene Studien zu Herz-Kreislauf- und Nierenendpunkten laufen noch.

Zulassung: Wann kommt Retatrutide?

Retatrutide ist weltweit noch nicht als Arzneimittel zugelassen – auch nicht in Deutschland oder der EU. Lilly hat angekündigt, den Zulassungsantrag bei der US-Arzneimittelbehörde FDA im ersten Quartal 2027 einzureichen; zuvor wird das Datenpaket zur Herstellung (CMC) fertiggestellt. Nach Angaben von Lilly reichen die vorliegenden Studien für Zulassungsanträge bei Adipositas, Kniearthrose-Schmerz und Schlafapnoe. Ein Antrag bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) ist bislang nicht öffentlich bekannt. Außerhalb klinischer Studien steht Retatrutide für die Anwendung am Menschen nicht zur Verfügung.

Was die Ergebnisse für die Forschung bedeuten

Mit fünf positiven Phase-3-Studien gehört Retatrutide zu den am besten untersuchten Inkretin-Wirkstoffen der neuen Generation und ist damit ein wichtiger Referenzstoff für die Laborforschung zu metabolischen Signalwegen. Für reproduzierbare Ergebnisse ist geprüfte Qualität entscheidend: Retatrutide als Forschungspeptid mit HPLC-Reinheit ≥99 % und chargenbezogenem Analysezertifikat. Wie sich Retatrutide von anderen Wirkstoffen unterscheidet, zeigt der GLP-1-Peptide-Vergleich; einen Überblick über bisherige Erfahrungsberichte und Studien gibt Retatrutide Erfahrungen.

Häufige Fragen zu den Retatrutide-Studien

Wie viel Gewicht verloren die Teilnehmenden in den Studien?
In TRIUMPH-1 im Schnitt 28,3 % nach 80 Wochen in der höchsten Dosisgruppe, in der Verlängerung bis 104 Wochen (Teilnehmende mit einem BMI ab 35) 30,3 %. In der niedrigsten Dosisgruppe waren es 19 %.

Ist Retatrutide in Deutschland zugelassen?
Nein. Retatrutide ist weltweit noch nicht als Arzneimittel zugelassen. Lilly plant den Zulassungsantrag in den USA für das erste Quartal 2027.

Wann kommt Retatrutide auf den Markt?
Das hängt von der Prüfung durch die Behörden ab. Eine Entscheidung der FDA ist erst nach Einreichung des Antrags (geplant: erstes Quartal 2027) und der anschließenden Prüfung zu erwarten; für die EU gibt es noch keinen öffentlichen Zeitplan.

Welche Nebenwirkungen traten auf?
Vor allem Übelkeit, Durchfall, Verstopfung und Erbrechen, außerdem Dysästhesien (veränderte Hautempfindung) und etwas häufiger Harnwegsinfekte als unter Placebo.

Was unterscheidet Retatrutide von Tirzepatide?
Retatrutide aktiviert zusätzlich den Glukagon-Rezeptor. In den Studien führte das zu einer stärkeren Gewichtsabnahme als bei bisherigen Inkretin-Wirkstoffen. Im ersten direkten Vergleich (TRANSCEND-T2D-2, Typ-2-Diabetes, Oktober 2026) war die Gewichtsabnahme mehr als doppelt so hoch wie unter Semaglutid 2 mg; Ergebnisse eines direkten Vergleichs mit Tirzepatide sind bislang nicht veröffentlicht (Stand: Oktober 2026).

Quellen

⚠️ Hinweis: Alle Angaben dienen ausschließlich Informations- und Forschungszwecken und geben die veröffentlichte Studienlage wieder (Stand: 21.10.2026). Nicht für den menschlichen Gebrauch und nicht zur Diagnose, Behandlung oder Vorbeugung von Krankheiten.