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Ipamorelin ist ein synthetisches Pentapeptid aus der Klasse der Wachstumshormon-Sekretagoga (GHS). Es gilt in der Forschung als eines der selektivsten GHS-Peptide, da es gezielt den Wachstumshormon-Releasing-Rezeptor (GHS-R1a) aktiviert, ohne dabei andere Hormonsysteme wesentlich zu beeinflussen. Diese Eigenschaft macht Ipamorelin zu einem bevorzugten Forschungspeptid im Bereich der Endokrinologie.

Mehr Hintergrund im Ipamorelin-Lexikoneintrag: Wirkung, Sequenz und Forschungsüberblick.

Was ist Ipamorelin?

Ipamorelin wurde in den 1990er-Jahren von Novo Nordisk entwickelt und besteht aus der Aminosäuresequenz Aib-His-D-2-Nal-D-Phe-Lys-NH2. Im Unterschied zu anderen GHS wie GHRP-6 oder GHRP-2 zeigt Ipamorelin in präklinischen Studien eine deutlich geringere Beeinflussung von Cortisol, Prolaktin und Aldosteron. Für eine Einführung in die Grundlagen der Peptidforschung empfehlen wir unseren Übersichtsartikel.

Wirkmechanismus

Ipamorelin bindet an den Ghrelin-Rezeptor (GHS-R1a) in der Hypophyse und stimuliert dort die pulsatile Freisetzung von Wachstumshormon (GH). Der Mechanismus ähnelt der natürlichen GH-Sekretion, was Ipamorelin von synthetischem GH unterscheidet. In Tiermodellen wurde eine dosisabhängige GH-Freisetzung beobachtet, die dem physiologischen Muster folgt (Raun et al., 1998).

Aktuelle Forschungsbereiche

Knochengesundheit und Regeneration

Ein bedeutender Forschungsschwerpunkt liegt auf der Wirkung von Ipamorelin auf den Knochenstoffwechsel. Studien an Ratten zeigten eine erhöhte Knochenmineraldichte und verbesserte Knochenbildungsmarker nach Ipamorelin-Gabe (Svensson et al., 2000). Diese Ergebnisse werden im Kontext der Regenerationsforschung weiterführend untersucht.

Stoffwechsel und Körperkomposition

Die GH-stimulierende Wirkung von Ipamorelin wird auch hinsichtlich ihres Einflusses auf die Körperkomposition erforscht. In präklinischen Modellen wurde eine Zunahme der fettfreien Masse bei gleichzeitiger Reduktion der Fettmasse beobachtet. Dieser Forschungsbereich überschneidet sich mit Studien zu anderen metabolisch aktiven Peptiden wie MOTS-c und Retatrutide im Bereich Fettverbrennung und Metabolismus.

Schlaf und Regeneration

Da die natürliche GH-Sekretion überwiegend im Tiefschlaf stattfindet, wird Ipamorelin auch im Zusammenhang mit Schlaf und Regeneration erforscht. Die pulsatile GH-Freisetzung durch Ipamorelin könnte die natürlichen Schlaf-Wach-Zyklen weniger stören als eine kontinuierliche GH-Zufuhr. Ergänzend wird in diesem Bereich auch das Peptid DSIP (Delta Sleep Inducing Peptide) untersucht.

Ipamorelin im Vergleich zu anderen GHS-Peptiden

Der Hauptvorteil von Ipamorelin gegenüber älteren GHS-Peptiden liegt in seiner Selektivität. Während GHRP-6 neben der GH-Freisetzung auch Hunger (über Ghrelin-Stimulation), Cortisol und Prolaktin beeinflusst, zeigt Ipamorelin in Studien eine nahezu isolierte GH-Stimulation. Das macht es besonders geeignet für Forschungsdesigns, die eine kontrollierte GH-Modulation ohne konfundierende hormonelle Effekte erfordern.

Dosierungsangaben aus der Forschung

Eine allgemeingültige Dosierung für den Menschen gibt es nicht, weil Ipamorelin nirgends als Arzneimittel zugelassen ist und keine anerkannten Anwendungsempfehlungen existieren. In der publizierten Forschung finden sich zwei Bezugsgrößen: In tierexperimentellen Arbeiten wurden Dosen im Bereich weniger Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht eingesetzt, und in der klinischen Prüfung zur postoperativen Gastroparese wurde intravenös im Milligramm-Bereich dosiert. Beide Zahlenwelten lassen sich nicht auf eine Selbstanwendung übertragen.

Was sich sagen lässt: Die GH-Antwort auf Ipamorelin ist in den Studien dosisabhängig und pulsatil – sie folgt dem körpereigenen Ausschüttungsmuster und flacht bei höheren Dosen ab, statt linear weiter anzusteigen. Mehr bedeutet in den Daten also nicht mehr Effekt. Wer Konzentrationen für Laborzwecke umrechnen muss, findet die Formeln im Peptid-Rechner.

Nebenwirkungen und Sicherheitsdaten

Systematische Sicherheitsdaten zu Ipamorelin beim Menschen sind sehr begrenzt. Die Substanz wurde klinisch untersucht, das Entwicklungsprogramm wurde jedoch eingestellt, und es existiert kein zugelassenes Präparat mit einem behördlich geprüften Nebenwirkungsprofil.

Was in den vorhandenen Untersuchungen auffiel: Ipamorelin gilt gerade wegen seiner Selektivität als vergleichsweise gut verträglich – anders als GHRP-6 löst es kaum Cortisol-, Prolaktin- oder Appetitreaktionen aus. Offen bleiben die typischen Fragen jeder GH-stimulierenden Substanz: Auswirkungen auf Blutzuckerhaushalt und Insulinsensitivität, Wassereinlagerungen, sowie die Frage, wie sich eine längerfristige Anhebung von Wachstumshormon und IGF-1 auswirkt. Für keinen dieser Punkte gibt es belastbare Langzeitdaten.

Rechtslage in Deutschland

Ipamorelin ist in Deutschland, der EU und den USA nicht als Arzneimittel zugelassen. Es gibt kein Zulassungsverfahren und keine geprüfte Indikation. Der Handel erfolgt ausschließlich als Forschungssubstanz mit RUO-Deklaration; das Inverkehrbringen zur Anwendung am Menschen ist nach dem Arzneimittelgesetz nicht zulässig.

Sportrechtlich ist die Lage eindeutiger als bei vielen anderen Forschungspeptiden: Ipamorelin steht auf der WADA-Verbotsliste in Kategorie S2 (Peptidhormone, Wachstumsfaktoren und verwandte Substanzen) und ist damit jederzeit verboten. Das Anti-Doping-Gesetz stellt Handeltreiben und Abgeben von Dopingmitteln zu Dopingzwecken im Sport unter Strafe (§ 2 AntiDopG; § 4 sieht Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren vor); ob eine einzelne Substanz erfasst ist, richtet sich nach der Anlage zum Gesetz. Eine ausführliche Einordnung findest du unter Peptide legal in Deutschland.

Qualität und Bezug für die Forschung

Ipamorelin bei Smart Peptides wird mit ≥99 % Reinheit geliefert und ist durch HPLC-Analyse sowie LC-MS verifiziert. Zur Rekonstituierung empfehlen wir bakteriostatisches Wasser. Tipps zum sicheren Einkauf von Forschungspeptiden bietet unser Artikel Peptide kaufen in Deutschland.

Hinweis: Alle bei Smart Peptides erhältlichen Produkte sind ausschließlich für wissenschaftliche Forschungszwecke bestimmt. Sie sind nicht zur Anwendung am Menschen oder Tier vorgesehen und nicht für diagnostische oder therapeutische Zwecke geeignet.


Häufige Fragen: Ipamorelin

Was ist Ipamorelin und wie wirkt es?
Ipamorelin (CAS 170851-70-4, MW 711,85 g/mol) ist ein synthetisches Pentapeptid (Aib-His-D-2Nal-D-Phe-Lys-NH₂) und selektiver Agonist am GHS-R1a (Ghrelin-Rezeptor). Es stimuliert die pulsatile Wachstumshormon-Ausschüttung aus der Adenohypophyse, ohne relevante Cortisol- oder Prolaktin-Freisetzung zu bewirken — ein einzigartiges Selektivitätsprofil unter GH-Sekretagoga.
Warum gilt Ipamorelin als selektiver als GHRP-6?
GHRP-6 aktiviert neben GHS-R1a auch andere Ghrelin-verwandte Rezeptoren und führt zu deutlichem Hunger (Appetitanstieg) sowie Cortisol-Erhöhung. Ipamorelin wurde gezielt auf minimale Off-Target-Aktivität optimiert. In Vergleichsstudien (Raun et al., 1998; PMID: 9849822) zeigte Ipamorelin bei äquivalenter GH-Stimulation deutlich weniger ACTH/Cortisol-Reaktion als GHRP-6.
Welche Studien belegen die Wirkung von Ipamorelin?
Die Schlüsselcharakterisierung erfolgte durch Raun et al. (Eur. J. Endocrinol., 1998; PMID: 9849822). Johansen et al. (1999; PMID: 10496291) bestätigten die selektive GH-Freisetzung beim Menschen. Ipamorelin war in Phase-II-Programmen für postoperative Gastroparese (Helsinn Pharmaceuticals) untersucht, was seine breiteren physiologischen Effekte unterstreicht.
Für welche Kombinationen mit anderen Peptiden ist Ipamorelin relevant?
Die häufigste Forschungskombination ist Ipamorelin + CJC-1295 (GHRH-Analogon). CJC-1295 stimuliert über den GHRH-Rezeptor die GH-Synthese; Ipamorelin verstärkt die pulsatile Freisetzung über GHS-R1a. Beide Peptide adressieren komplementäre Rezeptorsysteme der GH-Achse, was in präklinischen Daten zu additiven GH-Anstiegen führt.
Ist Ipamorelin auf der WADA-Dopingliste?
Ja. Ipamorelin ist in der WADA-Verbotsliste unter Kategorie S2 (Peptid-Hormone, Wachstumsfaktoren und verwandte Substanzen) gelistet. Da es endogenes GH stimuliert, das analytisch nicht von exogenem GH unterscheidbar ist, gilt es als dopingrelevant. Für Wettkampfathleten besteht ein Dopingrisiko.
Ist Ipamorelin legal in Deutschland?
Ipamorelin ist in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen. Der Vertrieb als Forschungssubstanz mit RUO-Deklaration ist möglich, das Inverkehrbringen zur Anwendung am Menschen dagegen nach dem Arzneimittelgesetz nicht zulässig. Im Sport ist Ipamorelin über die WADA-Kategorie S2 jederzeit verboten.
Wie viel Ipamorelin am Tag?
Dafür gibt es keine belastbare Angabe. Es existiert keine Zulassung und damit keine anerkannte Dosierungsempfehlung. In Tierstudien wurden Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht eingesetzt, in der klinischen Prüfung intravenös im Milligramm-Bereich – beides ist nicht auf eine Anwendung am Menschen übertragbar. In den Daten ist die GH-Antwort zudem pulsatil und flacht bei höheren Dosen ab.
Welche Nebenwirkungen hat Ipamorelin?
Systematische Sicherheitsdaten beim Menschen fehlen. Ipamorelin gilt wegen seiner Selektivität als vergleichsweise gut verträglich und löst kaum Cortisol- oder Prolaktinreaktionen aus. Ungeklärt sind Effekte auf Blutzucker und Insulinsensitivität, Wassereinlagerungen sowie die Folgen einer längerfristigen GH- und IGF-1-Anhebung.
Was bringen Erfahrungsberichte zu Ipamorelin?
Wenig Belastbares. Einzelberichte aus Foren sind unkontrolliert, ohne Placebovergleich und ohne Kenntnis der tatsächlichen Substanzqualität. Sie ersetzen keine Studiendaten – gerade bei einer Substanz, deren Effekt über einen pulsatilen Hormonspiegel läuft und damit kaum subjektiv wahrnehmbar ist.

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine medizinische Beratung dar.

Autor: Prof. Dr. Sara Rohmeyer, Biohacking-Spezialistin, Harvard University